14 January 2015

Deutsche Welle kommt mit Deutsch-Programm zurück !


Geld vom Staat, Propaganda für die Welt: Ein neuer Fremdsprachendienst der Deutschen Welle.


Die Regierung in Berlin ist dabei, ihre Auslandspropaganda weiter zu intensivieren und mehr auf das Internet zuzuschneiden: Das Auswärtige Amt und der offiziell unabhängige Auslandssender Deutsche Welle haben sich darauf geeinigt, bei einem neuen multimedialen Fremdsprachendienst zu kooperieren. Dritter im Bunde ist die ebenfalls formal unabhängige Deutsche Presse-Agentur (dpa), die relevante Nachrichten zur Verfügung stellt. Das Projekt werde von der Regierung finanziell gefördert, teilte das Auswärtige Amt diese Woche in Berlin mit.
Der neue Dienst, so heißt es, solle tagesaktuelle Nachrichten und Hintergründe aus deutscher Perspektive an Medienpartner und Endverbraucher in aller Welt liefern. Dabei gehe es vor allem um Nachrichten aus Deutschland und Themen, die in der deutschen Öffentlichkeit eine Rolle spielen. Der Fremdsprachendienst soll in den Sprachen Deutsch, Englisch, Spanisch und Arabisch produziert und mit jeweils regional relevanten Themen bestückt werden.
Zielgruppen sind den Angaben zufolge »klassische Medienunternehmen« ebenso wie die Nutzer von multimedialen Onlineportalen. Der Fremdsprachendienst verbinde digitale, dialogische und herkömmliche Formate und sei auf den konkreten Bedarf der jeweiligen Partner zugeschnitten. Bundesaußenminister Frank-Walter Steinmeier (SPD) wurde mit den Worten zitiert: »Die rasante Entwicklung in der Welt der Kommunikation hat gezeigt, wie wichtig es bei der Übermittlung von Nachrichten ist, auf welchem Weg und in welchem Tempo sie übermittelt werden.« Es gehe darum, »das Deutschlandbild im Ausland positiv zu prägen«. »Breaking News« verbreiteten sich heute oft schneller auf Twitter, als die klassischen Nachrichtenagenturen Eilmeldungen produzieren könnten.
Die neue Propandaoffensive ist offenbar auch eine Reaktion darauf, dass immer mehr Menschen den »klassischen« Medien misstrauen und sich alternativ über das Internet informieren. In erster Linie zielt sie jedoch darauf, ein Gegengewicht zu den enormen Anstrengungen der Regierung in Moskau zu bilden, das Image Russlands in der Weltöffentlichkeit zu verbessern. Seit geraumer Zeit wird der Informationsdienst für das nichtrussische Ausland ausgebaut. Das TV-Programm Russia Today (RT) wird in mehreren Sprachen ausgestrahlt und ist überraschenderweise selbst in den USA beliebt. In Deutschland ist seit mehreren Wochen RT-deutsch an Werktagen mit einer halbstündigen Nachrichtensendung im Internet aktiv. Geplant ist offenbar, noch in diesem Jahr das Programm auszuweiten und »normal« auszustrahlen.
Deutsche-Welle-Intendant Peter Limbourg begrüßte die Einigung mit dem Auswärtigen Amt. Erst vor wenigen Monaten hatte er in einem Interview mit der Zeit erklärt, es sei publizistisch an der Zeit, »Putins Propaganda endlich Paroli zu bieten«. Deshalb wolle er die Deutsche Welle auch zu einem »globalen Informationssender« mit einem englischsprachigen TV-Kanal als »Flaggschiff« umbauen. »Wir haben es dabei mit einem massiven, über Jahre geplanten, Versuch Putins zu tun, die Weltöffentlichkeit für sich zu gewinnen. Wir müssen dazu eine Alternative schaffen. Und um dagegen zu halten, brauchen wir zusätzliche Mittel.« Die allerdings braucht er ohnehin: Weil zu wenig Geld da ist, sollen 2015 und 2016 weitere Stellen bei der Deutschen Welle gestrichen werden. Und spätestens 2017 droht ein Loch von knapp 24 Millionen Euro.
Wie sich der neue Fremdsprachendienst inhaltlich entwickelt, bleibt abzuwarten. Sicher ist jedoch, dass die Bundesregierung als Geldgeber unmittelbaren Einfluss auf eine Berichterstattung nehmen kann, die nach außen hin Unabhängigkeit und journalistische Unbestechlichkeit vorgaukelt. Das Gesamtangebot soll von der Deutschen Welle vertrieben werden, die laut Gesetz ohnehin zur Abstimmung mit der Regierung verpflichtet ist. Der in Bonn ansässige Auslandssender ist in Deutschland zwar nicht sehr bekannt – er gehört jedoch durchaus zu den Schwergewichten in der Medienbranche. Er beschäftigt jeweils etwa 1.500 feste und freie Mitarbeiter und sendet in 30 Sprachen: als Hörfunk auf Kurzwelle, als TV-Programm oder per Internet.

Quelle:   www.jungewelt.de vom 8.1.2015